Stilistik, Qualität und Individualität – abhängig vom Handwerk, der Dosage und der Herkunft

Die Champagne ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung mit strengen Herstellungsvorschriften der Schaumweine. Le Champagne wird zu 99.7 Prozent aus drei Traubensorten hergestellt: Pinot Noir (39%), Pinot Meunier (33%) und Chardonnay (28%).

Heute gilt: Das gute Handwerk zugunsten mehr Frische, Mineralität, Filigranität dank vermehrter Terroirbezogenheit gewinnt an Bedeutung.

Die traditionellen Champagnerhäuser mit ihren wohlklingenden Namen und den homogenisierten Produkten werden verstärkt herausgefordert – von unabhängigen Köpfen mit Innovationskraft und Weinwissen, und von immer mehr Kunden, die gerade dies schätzen. Bestandene Gewissheiten, Konventionen und Positionen werden neu aufgemischt. Der Unruhestifter ihr einfaches Programm: mehr individuelle Handschrift des Winzers, mehr Wertlegung auf die Qualität des Grundweins, mehr Lagen- und Jahrgangstypizität und Hinwendung zu naturorientierteren Abläufen im Weinberg und in der Vinifizierung bis hin zum Verzicht auf eine geschmacksbeeinflussende Dosage. Frische, Mineralität, Filigranität, die womöglich in den Terroirs schlummern, gewinnen an Bedeutung.

Dosagen werden weniger wichtig – Umso gefragter werden "Brut nature" oder "zero dosage".

Die Rezepturen des Liqueur de tirage (Zucker und Hefe) für die zweite Gärung in der Flasche und vor allem jene Rezeptur des geheimnisumwobenen Liqueur de dosage verlieren an Gewicht: jene Dosagen aus beispielsweise gereiften Reserveweinen, Süsswein, Zuckerlösung oder Esprit de Cognac. Dosagen haben zum Einen den profanen Zweck, den Flüssigkeitsverlust nach dem "Degorgieren" – zur Entfernung der abgesetzten, abgestorbenen Hefe­ – auszugleichen. Zum Anderen haben die Dosagen auch gestaltende Funktion: man kann damit den Schaumweinen eine hauseigene Visitenkarte verleihen.

Je nach Zuckergehalt der Dosage wird zwischen Ultra Brut/Brut Nature/Brut intégral/zero dosage (keine Zugabe), Extra Brut (Dosage von 0-6g/L), Brut (0-12g/L), Extra Sec/Extra Dry, Sec (17-35 g/L), Demi Sec oder Doux (mehr als 50 g/L) unterschieden.

Nicht-Jahrgangschampagner als Basiscuvées neben Jahrgangschampagnern, die immer beliebter werden

Nicht-Jahrgangschampagner bestehen zum einen Teil aus dem aktuellen Neuwein, der mit einem oder mehreren Teilen aus Reserveweinen früherer Jahrgänge verschnitten wird, bevor die Zweitgärung mittels Liqueur de tirage initiiert wird. Bei diesen nicht jahrgangstypischen Weinen geht es darum, jedes Jahr auf gleichem Geschmacks- und Qualitätsniveau Basiscuvées zu produzieren. Die Dosage dient dabei sowohl dem stilistischen Ausgleich über die einzelnen Jahrgänge als auch der Verdeutlichung der jeweiligen Stilistik eines Champagnerhauses.

Die Jahrgangschampagner – Brut millésimé – stammen zu 100% von Trauben bzw. Weinen aus einem einzigen Jahrgang. Zudem müssen diese mindestens drei Jahre auf der Hefe der zweiten Gärung liegen, bevor sie degorgiert werden. Werden sie früher degorgiert, sind es zwar Champagner aus einem einzigen Jahrgang, dürfen aber nicht als "Jahrgangschampagner" bezeichnet werden